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Dokumentationsanforderungsmatrix und Lieferobjektregister

Facility Management: TGA » Planer » Planungsbegleitendes FM » Dokumentationsanforderungsmatrix und Lieferobjektregister

Dokumentation präzise bestellen, bevor sie am Projektende eingefordert wird

Eine häufige Schwäche technischer Bauprojekte besteht darin, dass die Dokumentation erst kurz vor Abnahme zum eigenen Arbeitspaket wird. Im Vertrag steht beispielsweise lediglich, dass „vollständige Revisionsunterlagen“ zu übergeben sind. Welche Pläne, Listen, Parameter, Originaldateien, Prüfberichte und Herstellerinformationen tatsächlich benötigt werden, bleibt jedoch offen.

Die bestehende Seite zum planungsbegleitenden FM fordert bereits, Formate, Strukturen, Inhalte und Übergabepflichten frühzeitig festzulegen. VDI 6026 Blatt 1 verfolgt ebenfalls die Logik, die für Planung, Ausführung und Betrieb benötigten TGA-Unterlagen hinsichtlich Umfang und Beschaffenheit systematisch zu bestimmen.

Dokumentationsanforderungsmatrix und Lieferobjektregister für die TGA: Planungsbegleitendes Facility Management

Jede Anlage mit ihren Lieferobjekten verbinden

Ausgangspunkt ist die spätere Betriebsfunktion.

Für eine RLT-Anlage können beispielsweise erforderlich sein: Revisionsgrundriss, Anlagenschema, Geräte- und Komponentenliste, Funktionsbeschreibung, Datenpunktliste, Betriebs- und Wartungsanleitung, Inbetriebnahmeprotokoll, Messprotokolle und relevante Herstellerunterlagen.

Für eine Niederspannungsverteilung entstehen andere Lieferobjekte, etwa Stromlaufplan, Verteileraufbau, Schutzgeräteinformationen, Prüfprotokolle und Kennzeichnungssystematik.

Entscheidend ist die Zuordnung:

Anlagentyp → benötigte Dokumentenart → verantwortlicher Lieferant → Liefertermin → Format → Prüfstatus.

Damit wird aus der pauschalen Forderung nach „Dokumentation“ eine überprüfbare Leistung.

Zwischen Projektphasen unterscheiden

Nicht jedes Dokument entsteht erst am Projektende.

Ein Funktionsschema wird bereits während der Planung benötigt. Montageunterlagen entstehen in der Ausführung. Revisionsunterlagen entstehen nach tatsächlicher Umsetzung. Prüfberichte können erst nach Prüfung geliefert werden.

Das Lieferobjektregister sollte daher auch den Informationsreifezeitpunkt bestimmen.

ISO 19650-2 behandelt Informationsmanagement ausdrücklich innerhalb der Lieferphase eines Assets und dessen Informationsaustausch. Dieses Prinzip unterstützt eine phasenbezogene Definition von Informationsanforderungen statt einer einmaligen Schlussübergabe.

Dateiformat und Originalformat getrennt festlegen

Ein PDF eignet sich hervorragend zum Lesen. Für spätere Bearbeitung ist es jedoch häufig nicht ausreichend.

Deshalb kann die Matrix beispielsweise differenzieren zwischen:

Lesedokument: PDF beziehungsweise PDF/A,

bearbeitbare Quelle: DWG, XLSX oder herstellerspezifisches Engineeringformat,

offenes Austauschformat: beispielsweise IFC, soweit im Projekt vorgesehen.

Die bestehende Ausführungsplanung nennt bereits PDF/A, DWG, IFC und Tabellenformate als typische Übergabeformate.

Prüfkriterien direkt mitbestellen

Für jedes Lieferobjekt sollte nicht nur definiert sein, dass es geliefert werden muss, sondern auch, wann es als akzeptabel gilt.

Mögliche Qualitätsmerkmale sind Vollständigkeit, korrekter Anlagenbezug, gültiger Revisionsstand, Übereinstimmung mit der realen Installation, lesbares Format und Einhaltung der Nomenklatur.

So kann bereits bei Vertragsschluss erklärt werden, was „vollständig geliefert“ praktisch bedeutet.

Verantwortlichkeiten eindeutig machen

Bei komplexen TGA-Projekten kann dieselbe Dokumentationsart Beiträge mehrerer Beteiligter benötigen. Der Planer erstellt beispielsweise ein Schema, der Errichter trägt reale Änderungen ein und die Bauüberwachung prüft den Revisionsstand.

Das Register sollte deshalb zwischen Ersteller, Zuarbeiter, Prüfer und Freigeber unterscheiden.

Lieferfortschritt messbar machen

Aus der Matrix lässt sich unmittelbar ein Dokumentationscockpit erzeugen:

geschuldet, eingereicht, in Prüfung, zurückgewiesen, freigegeben oder offen.

Dadurch wird Dokumentationsfortschritt bereits Monate vor der Abnahme sichtbar.

Dokumentation vom Nebenprodukt zum Deliverable machen

Die zentrale Frage lautet:

Welche konkrete Information benötigt der spätere Betreiber für jede Anlage, in welchem Format, zu welchem Zeitpunkt und in welcher geprüften Qualität?

Eine Dokumentationsanforderungsmatrix beantwortet diese Frage vor Vertrags- und Ausführungsbeginn und verhindert, dass die Schlussdokumentation erst am Projektende zwischen Bauherr, Planer und Gewerken ausgehandelt wird.